Frenchmans Cap (1446m)
Tasmanien

 

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Tasmanien ist ein wunderbarer Ort für begeisterte Naturliebhaber und Wanderer. Die Wander-Szene ist so groß, dass es fast schon ungewöhnlich ist, wenn man nicht mindestens einmal im Monat auf eine große Wanderung geht.

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Wanderkarte: Findest du unter: www.tasmap.tas.gov.au
Pass: Für Tasmanien benötigst du einen Wanderpass
Höhe: 1446m
Länge: 46 km hin und zurück
Zeit: 3 – 5 Tage
Schwierigkeit: schwer
Region: Wild Rivers National Park, Tasmanien
 

Da ich selbst begeistert vom Bergsteigen und Klettern bin, habe ich beschlossen den schönen und anstrengenden Frenchmans Cap Track an der Westküste Tasmaniens zu laufen.

Der Frenchmans Cap ist einer der beeindruckendsten und spektakulärsten Wanderwege Tasmaniens. Er ist wild, abgeschieden und fast unpassierbar. Einsteigern würde ich von dieser Wanderung deshalb abraten, da sie sehr viele schroffe, glatte und steile Stellen beinhaltet. Der Weg führt zum weißen Quarzit Gipfel (Frenchmans Cap 1446m) – einer der bekanntesten Berggipfel des Franklin-Gordon Wild Rivers National Parks und Teil des Weltnaturerbes.

Für die Durchquerung des National Parks habe ich mir 3 bis 5 Tage Zeit genommen. Zu allererst habe ich mich frühzeitig um die örtliche Wettervorhersage gekümmert und habe sofort feststellen müssen, dass der Wettergott nicht auf meiner Seite war. Da es zu dem Zeitpunkt mitten im tasmanischen Winter war, sah der Wetterbericht alles andere als sonnig aus. 22 cm Neuschnee am Gipfel, starke Winde und durchgehend Regen in den niedrigeren Lagen.
Nach langem hin und herüberlegen, habe ich mich trotzdem für die Wanderung entschieden. Ich steckte meine Erwartungen allerdings nicht sehr hoch und rechnete mit viel Nässe, Kälte und einer möglichen Umkehrung.

Ich rüstete mich bis aufs Kleinste aus. Meine Sachen waren gepackt für jede Wetterlage und es konnte los gehen. Zum Glück hatte ich meinen Partner dabei, der viele Jahre Erfahrungen als Tour Guide hatte. So fühlte ich mich bei dieser Wetterlage etwas sicherer.

 
Von Hobart Richtung Queenstown auf dem Lyell Highway (A10)

Von Hobart aus fuhren wir auf dem Lyell Highway etwa 3 Stunden Richtung Queenstown. Der Highway führt queer durch den Franklin-Gordon Wild Rivers National Park. Nach ungefähre 200 km wird der Frenchmans Cap auf dem Highway ausgeschildert.

Als wir ankamen schaute ich mich zuallererst auf dem Parkplatz um und musste feststellen, dass kein anderes Auto außer unseres an diesem Wochenende zu Besuch war. Offensichtlich war es nicht das beste Wetter um die Wanderung durchzuführen, aber nun waren wir einmal hier. Fahrzeuge können auf dem Parkplatz am Anfang des Tracks abgestellt werden. Aber Vorsicht: Lasst keine Wertgegenstände offen liegen. In der abgeschiedenen Region des National Parks ist es schon vorgekommen, dass Autos ausgeraubt und beschädigt worden.

 
Es geht los

Gleich zu Beginn des Tracks findest du eine kleine Hütte mit einem Logbuch hier solltest du dein Ankommen und Wanderung unbedingt protokollieren, damit man dir bei Schwierigkeiten eventuell aus dem Park helfen kann.

Die Wanderung begann ganz entspannt. Hinunter zum goldgeld gefärbten Frankling River und über eine wunderschöne Hängebrücke.

Ein paar Meter weiter rechts von der Brücke findest du eine Schuhputzmaschine. Die dafür sorgt, dass du keine ungewollten Pflanzen in den National Park einführst. Danach beginnt der Track langsam sein wahres Ich zu zeigen. Der erste Teil der Wanderung beinhaltet zwei große Anstiege, die durch die Loddon Steppen geteilt sind. Dieser Abschnitt ist Sommer wie Winter schlammig. Von hier aus geht es überwiegend bergauf. Bis zum Mount Mullins ist es ein anstrengender und beschwerlicher Weg bis es dann auf den neu und gut ausgestatteten Wanderweg Richtung Loddon River geht.

Am King William Saddle (siehe unten), wirst du feststellen, dass sich die Vegetation drastisch ändern wird. Denn dieses Plateau markiert die geologische Grenze des National Parks.

 
Tag 1 – Vom Lyell Highway (A10) zum Lake Vera – 6 Stunden

Zum Glück begannen wir die Wanderung am späten Vormittag, somit hatten wir noch genug Tageslicht, um die ersten 17 km fast ohne Taschenlampen zurück legen zu können. Laut Wetterbericht wussten wir, dass das Wetter an diesem Tag am stabilsten sein wird und wir es bis zur ersten Hütte am Lake Vera, ohne bis auf die Knochen durchgeweicht zu sein, schaffen konnten.

Es fing alles sehr ungemütlich an. Manche Stellen waren sehr steil, schlammig und rutschig. Die erste Stunde hatte ich mit meiner Kondition zu kämpfen und zu tun mich bei Laune zu halten. Schließlich schaffte ich es dann doch in einen Rhythmus zu kommen und mich an die Wetterumstände zu gewöhnen. Ganz zur Freude meines Partners.

Der Wanderweg war sehr gut gekennzeichnet, sodass wir auch bei plötzlich auftretenden Schneefall den Weg im Auge behalten konnten. Wir an vielen beeindruckenden Landschaften vorbei – unter anderem dem buttongrass plains, ungewöhnliche Regenwälder mit ihren bekannten Huon Pine Trees (Australiens älteste lebende Baumart und einer der ältesten lebenden Organismen der Erde). Während der ersten anstrengenden Abschnitte wurden wir dann mit spektakulären Ausblicken auf die umliegenden Berge und Urstromtäler belohnt..

Als wir nach 6 Stunden an unsere erste Hütte am Lake Vera ankamen war es bereits dunkel und wir waren bis auf die Glieder durchnässt. Der Regen der letzten Tage hatte die umliegenden Bäche in eine große Seenlandschaft verwandelt, durch die wir notgedrungen durchwandern mussten. An der Hütte angekommen jubelten wir vor Freude. Die Hütte war nach so einer anstrengenden Wanderung das beste Geschenk. Wir waren allein hier und konnten uns ausbreiten, denn kein anderer Wanderer war an diesem Tag unterwegs. Feuerholz war zur Genüge vorhanden, ein Tisch, Bänke und tolle breite Holzbetten mit einer komfortablen Matratzen ließen die anstrengende Tour vergessen.

Sofort heizten wir den Ofen an, hingen unsere nassen Sachen auf die Wäscheleinen, kochten uns was zum Abendessen, tranken Wein und lauschten den knistern des Feuers zu. Die Hütte wurde richtig wohlig warm und wärmte uns in kürzester Zeit gut auf. Wir erzählten Geschichten und ließen den Tag entspannend ausklingen bis wir erschöpft ins Bett fielen.

 
Tag 2 – Vom Lake Vera zum Lake Tahune – 4 Stunden

Die Wanderung am zweiten Tag war wesentlich kürzer (9 km) als am ersten Tag, aber dafür sehr viel steiler. Nachdem wir am Ufer von Lake Vera entlang wanderten, verbrachten wir die nächsten 2 Stunden damit, uns den starken Anstieg des Barron Pass` hochzukämpfen. Es war meines Erachtens eine der schönsten und zugleich eine der anspruchsvollsten Wanderungen die ich bisher gemacht habe. Die Anstrengungen waren es aber allemal wert. Wir wanderten durch einen wunderschönen Regenwald mit von Moos besetzten Bäumen und Steinen, entlang beeindruckenden Wasserfällen und reißenden Strömen.

Als wir es endlich an die Spitze des Barron Pass‘ geschafft hatten wurden wir mit einem dramatischen Blick auf die Klippenwand des Frenchmans Cap belohnt (Im Bild unten leider nicht ersichtlich, Frenchmans Cap ist Berg auf der rechten Seite des Bildes). Angeblich ist dies eines der ältesten freiliegenden Felsen in Australien. Von hier aus konnten wir Lake Tahune sehen. Wir genossen den Ausblick für knappe 20 Minuten bevor uns der eisige Wind und die Schneewolken am Himmel zum umkehren zwangen. Der angekündigte Wetterbericht kam also wie versprochen und so entschieden wir uns zurück zum Lake Vera zu wandern bevor wir hier unter schlechten Bedingungen fest sitzen.

 
Tag 3 – Vom Lake Tahune zum Gipfel des Frenchmans Cap – 1 bis 3 Stunden

Normalerweise benötigt man für diese Strecke nur noch wenige anstrengende Stunden, doch wie bereits gesagt, konnten wir wegen des schlechten Wetters diese Strecke nicht mehr zurück legen.

 
Auf dem Rückweg

Auf dem Rückweg, als wir bereits wieder am Parkplatz waren war das Wetter so schlecht, dass wir uns fragten, ob wir über den Lyell Highway überhaupt wieder nach Hobart kommen würden. Und siehe da, kurze Zeit später, als hätten wir es geahnt, mussten wir umkehren. Die heftigen Schneeböen machten es uns unmöglich, die Straßen zu passieren.

Der Schnee zwang uns demnach weiter Richtung Westen und über die Küste im Norden zurück nach Hobart zu fahren. Innerhalb einer Stunde hat sich das Wetter wegen der unterschiedlichen Höhenlagen so verändert, dass wir sogar sonniges Wetter auf dem Heimweg hatten.

 
Tipps für deine Wanderung

Logbuch und Sicherheit
Für deine eigene Sicherheit solltest du am Anfang der Wanderung (noch vor dem Franklin River), deine Wanderroute bekanntgeben, sowie an allen Hütten an denen du dich aufgehalten hast. Trage dich auch am Ende der Wanderung aus dem Logbuch wieder aus. Gebe außerdem Freunden und Bekannten bescheid, dass du dich auf eine längere Wanderung begibst, im Falle es sollte dir etwas passieren. Gehe niemals allein auf eine solche Wanderung.

Wetter und Gefahren
Das Wette in Tasmanien kann sich zu jeder Jahreszeit rapide verändern und das innerhalb weniger Stunden. Bringe dir also genügend Bekleidung für jede Wetterlage mit. Von prallem Sonnenschein bis zu Dauerregen, Schneeregen, Schnee und Schneestürmen.
Des Weiteren kannst du Begegnungen mit schroffen und steilen Felswänden, Steinschlag, tiefen Schlamm, rutschigen Oberflächen und manchmal sogar mit giftigen Schlagen machen.

Beste Wanderzeit
In der Sommersaison zwischen Dezember und April hast du am längere und wärmere Tage.

Gepäck
Warme und wasserfeste Kleidung ganz gleich welche Wetterlage. Angemessene Ausrüstung für eine anspruchsvolle Wanderung. Campingkocher (nur Benzinkocher) und Küchenutensilien, Mülltüten, Toilettenpapier, Taschenlampe und Kopfleuchte.

Verpflegung
Achte darauf, dass deine Lebensmittel leicht sind und wenig Platz wegnehmen. Geeignet sind z.B.: Nüsse, Trockenfrüchte, Getrocknetes Camping-Essen, Dosen, eingeschweißte Wurst und Käse, Pfannkuchen-Mix, Nudeln, Reis, Müsli, Tee, Kaffee.
Bringe dir ausreichend Wasser für die Wanderung mit. Tasmaniens Wasser ist sehr gut, trotzdem wird empfohlen, dass Wasser aus den Flüssen mindestens 3 Minuten zu kochen bevor du es zum trinken oder kochen verwendest.

Hier ist außerdem eine Liste von Nahrungsmitteln die in tasmanischen National Parks nicht eingeführt werden dürfen. www.aera.asn.au

Umwelt
Deinen angesammelten Müll, musst du unbedingt wieder mit aus dem National Park nehmen. Sei es organischer Art, oder chemischer. Verbrennen solltest du deinen Müll auch nicht, aufgrund von Waldbrandgefahr. Benutze keine Seife oder Waschmittel.

Toiletten
In der Nähe beider Hütten wurden Bio-Toiletten installiert. Die genaue Benutzung ist vor Ort noch einmal beschrieben. Wenn du unterwegs einmal deine Notdurft verrichten musst, solltest du diese 100 m von Wasserressourcen und Campingplätzen halten. Außerdem mindestens 15 cm tief vergraben und abdeckten, damit es keine Tiere anzieht.

Unterkunft
Lake Vera Hut – max. 20 Personen, Bank-Betten, Kaminofen, Feuerholz, Tisch, Zeltplatz
Lake Tahune Hut – max. 16 Personen, Bank-Betten, Zeltplatz

Du solltest dennoch immer ein Zelt dabei haben, im Falle die Hütten sind schon belegt. Außerdem kannst du jederzeit dein Lader aufschlagen, wenn dich das Wetter, Verletzungen oder Müdigkeit dazu auffordert.

Gekennzeichnete Zeltplätze findest du außerdem entlang des Wanderweges z.B. vor dem Franklin River, Loddon River und Philips Creek.

 
Warst du auch schon in der Wildnis von Tasmanien unterwegs? Was waren deine Erfahrungen und Eindrücke?
 


Über die Autorin


Carolin
Auf Planetleben findest du jede Menge Reiseberichte, Fotos und tolle Inspirationen von meinen kunterbunten Abenteuern. Wenn du mehr über mich und den Blog erfahren möchtest, klicke hier.


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